Mit einer Stunde Verspätung wurde der Einsatzdienst vom 20.04.2012 gestartet, verursacht wurde die Verzögerung durch einen Defekt an einem Atemschutzgerät. Dieses musste ausgetauscht werde und zudem das Fahrzeug entsprechend für den Dienst vorbereitet werden.
Die fehlende Stunde viel aber weiter nicht ins Gewicht, war wieder ein 12-Stunden-Dienst angesetzt, der zwar nur vier Alarme aufbot, aber trotzdem mit einer Tätigkeit fernab jeglicher Routine abschloss.
Der erste Alarm erfolgte, wie sollte es anders sein, als gerade das Essen auf dem Tisch stand. Das Einsatzstichwort hierzu “Schadstoff gering”. An der Einsatzstelle stellte sich der Sachverhalt als “Schadstoff sehr gering” oder auch Feuerwehr nicht erforderlich heraus. Ein Mitglied einer Initiative, die sich um die Straßenbäume im Kiez kümmert, hatte den brisanten Fall entdeckt.
Hierbei handelte es sich lediglich um einen alten Kunststoffkanister, der eine geringe Restmenge eines Haushaltsreinigers enthielt, wie die unbestechliche Nase des Staffelführers ermittelte. Nach Erkundung konnte festgestellt werden, dass der Baum wohlauf war. Ob das auch auf die Freunde der Bäume zutrifft wurde dann nicht weiter ermittelt. Der Kanister wurde über den Hausmüll entsorgt.
Gegen 21:00 Uhr wurde das LHF zu einem Gasgeruch in die Skalitzer Straße gerufen. Ausströmendes Gas wurde allerdings weder durch die Messung mit dem Messgerät “Titian”, noch durch die Messungen des C-Dienstes festgestellt. Wie die Messungen der Mitarbeiter der Netzgesellschaft ausgingen, wurde nicht abgewartet. Möglicherweise könnte es sich hier um einen technischen Defekt an einem Gasherd gehandelt haben, der nur bei dem Betrieb des Geräts aufgetreten sein könnte.
Auch der nächste Einsatz gegen 22;40 Uhr am Hermannplatz beinhaltete keine Tätigkeit für die LHF-Besatzung. Alarmiert wurde zum Stichwort Verkehrsunfall + medizinischer Notfall. Am Hermannplatz war ein Fußgänger von einem Pkw erfasst worden, der RTW der Wache 1600 hatte die Lage allein im Griff, technische Hilfe war nicht von Nöten.
Zeit, um in Bet zu gehen. Ein Teil der Mannschaft hatte sich gerade zur Ruhe gelegt, als gegen 00:10 Uhr der Pieper zur technischen Hilfeleistung rief.
Der zusätzliche Hinweis zum Einsatzstichwort auf dem Alarmzettel sorgte dann doch erst für ungläubiges Staunen und dann für Erheiterung zu später Stunde. Auf dem Ausdruck war angegeben, dass ein männlicher Mitbürger in einem Dixi-Klo bis zur Hüfte feststecken sollte.
Nun wissen wir alle, dass nicht jeder Anruf in der Leitstelle auch der Wahrheit entspricht, vor Ort wurde allerdings schnell klar, dass es sich hier nicht um einen Spaßanruf hantelte. Tatsächlich steckt ein betagter, älterer Mitbürger in der Öffnung des Dixi-Klos bis in Höhe des Bauchnabels fest. Wie der Rentner in die missliche Lage kam, dafür hatte weder er, noch die Kameraden eine logische Erklärung. Alles half nicht, der ältere Herr musste aus seiner Zwangslage befreit werden. Da alle Versuche scheiterten, durch Heben Helmut (wer zusammen aufs Klo geht, darf sich auch duzen) zu befreien, musste vorsichtig der Kunststoffkasten angebohrt und mittels Blechschere aufgeknabbert (jetzt bitte nicht an die Snacks vor dem Fernseher denken) werden. Somit wurde die Öffnung derart vergrößert, dass er mit Hilfe des A-Trupps (die sich zwischenzeitlich aus gutem Grund Spritzschutzoveralls angezogen hatten) aus dem Fäkaliensammelbehälter herausgehoben werden konnte. Nach kurzer Untersuchung durch das medizinisch geschulte Personal des LHF war schnell klar, dass der Unglücksrabe unverletzt und wohlauf war und nach Hause entlassen werden konnte.
Helmut verströmte inzwischen ein derart strenges Aroma, dass ein Transport im RTW oder LHF ausschied und die Polizei zur Hilfe gerufen wurde. Gut verpackt in einem der Spritzschutzoveralls konnte er dann die Heimreise im Funkwagen antreten.
Zurück blieb die LHF-Besatzung mit dem guten Gefühl, einen Menschen aus der Scheiße gezogen zu haben, mit weniger guten Gerüchen in der Nase und dem Wissen, einen wirklich nicht alltäglichen Einsatz abgearbeitet zu haben, der lange im Gedächtnis bleiben wird.
Für den Rest der Nacht war dann durchschlafen angesagt, bevor gegen 07:00 Uhr der Dienst endete.
MG